{"id":653,"date":"2025-12-25T15:00:02","date_gmt":"2025-12-25T14:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/struktur.hoeberth.de\/wordpress\/?p=653"},"modified":"2025-12-25T15:00:04","modified_gmt":"2025-12-25T14:00:04","slug":"vom-mythos-zur-metamoderne-warum-entwicklung-mehr-ist-als-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/struktur.hoeberth.de\/wordpress\/2025\/12\/25\/vom-mythos-zur-metamoderne-warum-entwicklung-mehr-ist-als-aufklaerung\/","title":{"rendered":"Vom Mythos zur Metamoderne: Warum Entwicklung mehr ist als Aufkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem Posting im &#8222;Theologie Gespr\u00e4chsforum&#8220; \u00fcber Eckhart Tolle entspann sich eine Diskussion, in der ich mich erkl\u00e4ren musste. Ich schrieb aus diesem Grund diesen Text, der manchen antiquiert erschien. Ich werde im Anschluss erkl\u00e4ren, warum ich ihn stattdessen f\u00fcr hochaktuell und kulturpolitisch f\u00fcr \u00e4u\u00dferst wichtig halte. Aber vorerst der Text:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Die eigentliche Kontroverse entz\u00fcndet sich weniger an Jesus selbst als an der Frage, auf welcher Bedeutungsebene der Begriff \u201eChristus\u201c \u00fcberhaupt angesiedelt ist. Wenn Eckhart Tolle sagt, Christus beziehe sich auf das erwachte Bewusstsein und nicht auf ein Glaubenssystem, dann ist das keine Behauptung, Jesus sei \u00fcberfl\u00fcssig oder die Apostel h\u00e4tten ihn missverstanden. Es ist vielmehr der Versuch, einen Unterschied ernst zu nehmen, der bereits im Neuen Testament selbst angelegt ist, sp\u00e4ter aber zunehmend eingeebnet wurde: den Unterschied zwischen der historischen Person Jesus von Nazareth und dem Christus als geistiger, ontologischer Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung ist keineswegs eine moderne Erfindung. Schon Paulus formuliert sie unmissverst\u00e4ndlich, wenn er sagt: \u201eNicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.\u201c Hier wird Christus nicht als \u00e4u\u00dferes Objekt des Glaubens beschrieben, sondern als eine innere Wirkdimension, die sich im Menschen realisiert. Christus ist in dieser Perspektive kein blo\u00dfer Titel Jesu, sondern das, was sich durch Jesus vollkommen ausdr\u00fcckt \u2013 und was prinzipiell auch im Menschen wirksam werden kann. Genau in diesem Sinne spricht Jesus selbst vom Reich Gottes, das \u201einwendig in euch\u201c ist, fordert seine Zuh\u00f6rer auf, so zu werden wie er, und verwendet drastische Formulierungen wie \u201eIhr seid G\u00f6tter\u201c, um auf diese innere Quelle hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einwand, man m\u00fcsse dann ja annehmen, die Apostel oder die gesamte christliche Tradition h\u00e4tten Jesus zweitausend Jahre lang nicht verstanden, beruht auf einer falschen Alternative. Es geht nicht um \u201everstanden oder missverstanden\u201c, sondern um unterschiedliche Gewichtungen. Die mystische, bewusstseinsbezogene Lesart war von Anfang an pr\u00e4sent \u2013 sie findet sich bei Paulus, im Johannesevangelium, in der fr\u00fchchristlichen Mystik und sp\u00e4ter bei Denkern wie Meister Eckhart. Was sich ver\u00e4ndert hat, ist nicht der Gehalt, sondern die dominante Auslegungstradition. Mit der Institutionalisierung des Christentums r\u00fcckte zwangsl\u00e4ufig die objektive, dogmatische Seite in den Vordergrund: Wer ist Christus f\u00fcr uns, was muss geglaubt werden, wo verlaufen die Grenzen der Zugeh\u00f6rigkeit? Die innere Verwandlung hingegen entzieht sich institutioneller Kontrolle und l\u00e4sst sich weder monopolisieren noch verwalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund wirkt der Vorwurf der \u201eNew-Age-Schwurbelei\u201c eher wie eine Abwehrreaktion gegen eine ungewohnte Sprache. Wenn heute von \u201eBewusstsein\u201c gesprochen wird, dann nicht, um Buddhismus, Quantenphysik oder Esoterik zusammenzur\u00fchren, sondern um eine zeitgem\u00e4\u00dfe ontologische Kategorie zu verwenden. Jede Epoche \u00fcbersetzt ihre zentralen Einsichten in die Begriffe, die ihr zur Verf\u00fcgung stehen. Thomas von Aquin tat das mit Aristoteles, die Kirchenv\u00e4ter mit dem Neuplatonismus. Dass wir heute von Bewusstsein sprechen, hei\u00dft nicht, den christlichen Gehalt zu verw\u00e4ssern, sondern ihn in einem Weltbild auszudr\u00fccken, das nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich mythologisch strukturiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Einwand \u2013 wer Christus als Bewusstsein bezeichne, habe sich \u201emeilenweit vom Christentum entfernt\u201c \u2013 legt eine weitere, meist unausgesprochene Vorannahme offen: dass Bewusstsein etwas rein Subjektives, Psychologisches oder Beliebiges sei. Doch genau diese Annahme ist philosophisch keineswegs zwingend. In einer idealistischen oder panentheistischen Perspektive \u2013 wie sie auch mein Evolution\u00e4rer Idealismus ausarbeitet \u2013 ist Bewusstsein nicht ein Nebenprodukt der Welt, sondern ihre Bedingung der M\u00f6glichkeit. Inkarnation bedeutet dann nicht, dass ein \u00e4u\u00dferer Gott gelegentlich in die Welt eingreift, sondern dass sich diese grundlegende Bewusstseinswirklichkeit in Raum und Zeit verdichtet und personalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Licht erscheint Christus als die vollst\u00e4ndig inkarnierte Selbsttransparenz des G\u00f6ttlichen: als Bewusstsein, das sich seiner selbst vollkommen bewusst ist \u2013 und gerade dadurch Liebe, Freiheit und sch\u00f6pferische Verantwortung verk\u00f6rpert. Jesus Christus ist in dieser Sicht nicht relativiert, sondern radikal ernst genommen: als Mensch, in dem diese M\u00f6glichkeit vollst\u00e4ndig realisiert war. Dass diese Realit\u00e4t nicht exklusiv bei ihm verbleibt, sondern weitergegeben werden soll, ist kein Angriff auf das Christentum, sondern sein innerster Impuls. Paulus\u2019 Formel \u201eChristus in euch\u201c bringt genau das auf den Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Dissens verl\u00e4uft daher nicht zwischen Jesus und Tolle, sondern zwischen zwei Verst\u00e4ndnishorizonten: einem objektivierten Glaubenssystem, das Wahrheit prim\u00e4r als \u00e4u\u00dferen Besitz denkt, und einer inkarnatorischen Bewusstseinstheologie, in der Wahrheit sich vollzieht. Wer Christus nur als \u00e4u\u00dfere Instanz denken kann, wird jede Bewusstseinsdeutung als Verrat empfinden. Wer hingegen die neutestamentliche Spannung ernst nimmt, erkennt darin keinen Widerspruch, sondern eine Einladung: nicht nur an Christus zu glauben, sondern Christus zu werden \u2013 im Sinne einer inneren Transformation, die sich im gelebten Leben bew\u00e4hren muss.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"h-1-warum-diese-debatte-mehr-ist-als-ein-theologischer-streit\">1. Warum diese Debatte mehr ist als ein theologischer Streit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auseinandersetzungen um Religion, Spiritualit\u00e4t, Rationalit\u00e4t und Bewusstsein wirken auf den ersten Blick wie alte, erm\u00fcdende Grabenk\u00e4mpfe. Gl\u00e4ubige gegen Atheisten, Wissenschaft gegen Mythos, Aufkl\u00e4rung gegen \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c. Doch dieser Eindruck t\u00e4uscht. Was hier verhandelt wird, ist nicht blo\u00df eine Frage pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugungen, sondern eine <strong>zentrale Entwicklungsfrage der Menschheit<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn religi\u00f6se Konflikte, spirituelle Sehnsucht und materialistische Weltbilder sind keine zuf\u00e4lligen Meinungen, sondern Ausdruck unterschiedlicher Weisen, Wirklichkeit zu deuten. Wer diese Deutungsebenen vermischt, ger\u00e4t zwangsl\u00e4ufig in ideologische Stellvertreterkriege. Wer sie hingegen auseinanderhalten kann, erkennt: Viele scheinbar unvereinbare Positionen widersprechen sich nicht \u2013 sie <strong>sprechen von unterschiedlichen Entwicklungsstufen derselben Wirklichkeit<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Fehler unserer Zeit besteht darin, spirituelle Fragen entweder vorschnell zu pathologisieren oder sie regressiv zu romantisieren. Beides f\u00fchrt nicht weiter. Wenn wir verstehen wollen, warum Religionen trotz Aufkl\u00e4rung nicht verschwinden \u2013 und warum reiner Rationalismus dennoch nicht ausreicht \u2013, m\u00fcssen wir Entwicklung selbst ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">2. Entwicklung verl\u00e4uft nicht zuf\u00e4llig \u2013 sondern in Bedeutungsebenen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Individuelle wie kollektive Entwicklung verl\u00e4uft nicht linear, sondern stufenf\u00f6rmig. Psychologie, Anthropologie und Kulturgeschichte zeigen \u00fcbereinstimmend: Menschen und Gesellschaften organisieren Sinn auf <strong>qualitativ unterschiedlichen Ebenen<\/strong>. Diese Ebenen bauen aufeinander auf, ohne sich gegenseitig aufzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mythische Weltbilder strukturieren Wirklichkeit erz\u00e4hlerisch, symbolisch und personifiziert. Rational-wissenschaftliche Weltbilder abstrahieren, analysieren und messen. Postmoderne Perspektiven dekonstruieren Machtanspr\u00fcche und absolute Wahrheiten. Trans- und metamoderne Ans\u00e4tze versuchen schlie\u00dflich, diese Ebenen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zu integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist: <strong>Keine dieser Ebenen ist \u201efalsch\u201c<\/strong>. Jede erf\u00fcllt in einem bestimmten historischen und psychologischen Kontext eine notwendige Funktion. Problematisch wird es erst, wenn eine Ebene sich absolut setzt und andere delegitimiert. Genau das geschieht heute auf beiden Seiten: religi\u00f6ser Fundamentalismus ebenso wie dogmatischer Szientismus sind Symptome einer blockierten Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">3. Warum die Rationalit\u00e4t den Mythos entzaubern musste \u2013 und warum das nicht das Ende ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entzauberung der Welt war kein kultureller Unfall, sondern eine <strong>historische Notwendigkeit<\/strong>. Ohne die Abl\u00f6sung mythischer Erkl\u00e4rungen durch rationales Denken w\u00e4ren weder moderne Wissenschaft noch Technologie, weder Menschenrechte noch globale Kooperation m\u00f6glich gewesen. Rationalit\u00e4t hat uns aus der tribalen Logik geschlossener Weltbilder herausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Rationalit\u00e4t ist ein Werkzeug, kein Weltgrund. Sie beschreibt Zusammenh\u00e4nge, aber sie erzeugt keinen Sinn. Sie erkl\u00e4rt Prozesse, aber sie beantwortet nicht die Frage, warum uns etwas \u00fcberhaupt etwas bedeutet. Wo Rationalit\u00e4t zur letzten Instanz erkl\u00e4rt wird, entsteht ein Vakuum \u2013 und dieses Vakuum wird nicht leer bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der materialistische Reduktionismus ist daher kein Endpunkt der Entwicklung, sondern eine <strong>\u00dcbergangsphase<\/strong>. Er befreit von falschen Absolutheiten, kann aber selbst keine tragf\u00e4hige existenzielle Orientierung liefern. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass selbst hochrationalisierte Gesellschaften spirituelle Ersatzformen hervorbringen \u2013 von Ideologien bis hin zu quasireligi\u00f6sen Heilsversprechen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">4. Warum die Menschheit nicht \u201eatheistisch umerzogen\u201c werden kann<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Glaube an eine rein s\u00e4kulare Zukunft, in der Religion einfach verschwindet, verkennt eine anthropologische Konstante: Der Mensch ist ein sinn- und transzendenzbezogenes Wesen. Er sucht nicht nur nach Erkl\u00e4rungen, sondern nach Einbettung, Bedeutung und Orientierung im Ganzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Atheismus ist eine legitime, oft intellektuell redliche Position. Doch er eignet sich nicht als kollektives Entwicklungsziel. Wo Transzendenz kulturell unterdr\u00fcckt wird, kehrt sie in verzerrter Form zur\u00fcck \u2013 als Nationalismus, Ideologie, Verschw\u00f6rungsdenken oder als blinder Fortschrittsglaube.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Versuch, Religionen einfach zu \u00fcberwinden, erzeugt daher nicht weniger Konflikte, sondern neue. Eine friedliche Weltgemeinschaft braucht nicht weniger Sinn, sondern <strong>reiferen Sinn<\/strong>. Nicht weniger Transzendenz, sondern eine reflektierte, integrierte Form von Transzendenzerfahrung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">5. Religionen als symbolische Spiegel kosmischer Wirklichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Religi\u00f6se Narrative sind keine naturwissenschaftlichen Erkl\u00e4rungen der Welt. Wer sie daf\u00fcr h\u00e4lt, muss sie zwangsl\u00e4ufig als falsch verwerfen. Doch das verkennt ihre eigentliche Funktion. Religionen sind symbolische Modelle, mit denen fr\u00fche Kulturen grundlegende Strukturen von Wirklichkeit, Bewusstsein und Existenz abgebildet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sch\u00f6pfung, Fall, Inkarnation, Erl\u00f6sung, Erleuchtung \u2013 all diese Motive verweisen auf Erfahrungen von Ganzheit und Trennung, von Bewusstsein und Selbsttransparenz, von individueller Begrenzung und universeller Einbettung. In moderner Sprache lie\u00dfe sich sagen: Religionen erz\u00e4hlen in Bildern, was heutige Ontologien in Begriffen zu fassen versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einsicht relativiert Religionen nicht \u2013 sie <strong>vertieft<\/strong> sie. Sie erlaubt es, den symbolischen Gehalt ernst zu nehmen, ohne an einer w\u00f6rtlichen Lesart festzuhalten. Genau hier liegt der Schl\u00fcssel zur Transformation religi\u00f6ser Weltbilder.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">6. Transformation statt Zerst\u00f6rung: Der entscheidende Perspektivwechsel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gegenw\u00e4rtige Debatte kennt meist nur zwei Optionen: Verteidigung des tradierten Glaubens oder vollst\u00e4ndige Dekonstruktion. Beides greift zu kurz. Was fehlt, ist der Mut zur <strong>Re-Interpretation<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Transformation bedeutet nicht, den Glauben aufzugeben, sondern ihn auf eine tiefere Bedeutungsebene zu heben. Dogmen werden dann nicht abgeschafft, sondern gelesen. Rituale werden nicht entwertet, sondern verstanden. Heilige Texte werden nicht w\u00f6rtlich verteidigt, sondern symbolisch erschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Weg ist riskant, weil er weder Fundamentalisten noch strengen Rationalisten zufriedenstellt. Aber er ist der einzige, der Entwicklung erm\u00f6glicht, ohne kulturelle Identit\u00e4t zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">7. Trans- und metamoderne Spiritualit\u00e4t: Tiefer glauben, nicht enger<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine trans- oder metamoderne Spiritualit\u00e4t integriert Rationalit\u00e4t, statt sie zu bek\u00e4mpfen. Sie wei\u00df um die Unzul\u00e4nglichkeit jeder Sprache \u2013 und spricht dennoch. Sie kennt das Schweigen \u2013 und verwechselt es nicht mit Bedeutungsverzicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Horizont erscheinen die gro\u00dfen Religionen als kulturell unterschiedliche Zug\u00e4nge zu einer gemeinsamen Tiefe. Nicht als konkurrierende Wahrheitsmonopole, sondern als verschiedene Resonanzr\u00e4ume f\u00fcr dieselbe ontologische Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christus, Buddha, Tao, Brahman \u2013 das sind keine austauschbaren Begriffe, aber sie verweisen auf strukturell verwandte Erfahrungsdimensionen. Eine solche Sicht entzieht religi\u00f6sem Absolutismus den Boden, ohne den spirituellen Kern zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">8. Warum diese Perspektive eine Friedensagenda ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fundamentalismus entsteht dort, wo Entwicklung blockiert wird. Wo Weltbilder nicht reifen d\u00fcrfen, verh\u00e4rten sie sich. Religi\u00f6se Gewalt ist selten Ausdruck von zu viel Glauben \u2013 meist ist sie Ausdruck eines <strong>unreifen Glaubens<\/strong>, der sich bedroht f\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Transformierte Religionen verlieren ihren Zwang zur Abgrenzung. Sie m\u00fcssen nicht mehr missionieren, um zu \u00fcberleben. Sie k\u00f6nnen koexistieren, weil sie ihren Wahrheitsanspruch nicht mehr als Besitz, sondern als Weg verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine globale, humanit\u00e4re Einheit wird nicht durch Vereinheitlichung entstehen, sondern durch <strong>gegenseitige \u00dcbersetzbarkeit<\/strong> von Sinn. Genau dazu braucht es Deutungsangebote, die Menschen mitnehmen, statt sie zu entwerten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">9. Einladung statt Bekehrung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alternative unserer Zeit lautet nicht: Mythos oder Wissenschaft, Glaube oder Vernunft, Religion oder Aufkl\u00e4rung. Die eigentliche Frage lautet: <strong>Bleiben wir in diesen Gegens\u00e4tzen stecken \u2013 oder lernen wir, sie zu integrieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht besteht der n\u00e4chste Entwicklungsschritt der Menschheit nicht darin, weniger zu glauben, sondern tiefer. Nicht darin, Transzendenz zu verwerfen, sondern erwachsen werden zu lassen. Nicht darin, alte Symbole zu verteidigen oder zu zerst\u00f6ren, sondern sie neu zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine Garantie f\u00fcr Frieden. Aber es ist eine reale Chance.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-gerhards-blog wp-block-embed-gerhards-blog\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Iym4DFhJVC\"><a href=\"https:\/\/struktur.hoeberth.de\/wordpress\/2025\/12\/09\/wie-bewusstsein-die-welt-erschafft\/\">Wie Bewusstsein die Welt erschafft<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Wie Bewusstsein die Welt erschafft&#8220; &#8211; Gerhards Blog\" src=\"https:\/\/struktur.hoeberth.de\/wordpress\/2025\/12\/09\/wie-bewusstsein-die-welt-erschafft\/embed\/#?secret=sJ9gTidBmJ#?secret=Iym4DFhJVC\" data-secret=\"Iym4DFhJVC\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-gerhards-blog wp-block-embed-gerhards-blog\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"X3YAkVhtKm\"><a href=\"https:\/\/struktur.hoeberth.de\/wordpress\/2024\/10\/23\/evid-kompakt\/\">EvId \u2013 kompakt<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;EvId \u2013 kompakt&#8220; &#8211; Gerhards Blog\" src=\"https:\/\/struktur.hoeberth.de\/wordpress\/2024\/10\/23\/evid-kompakt\/embed\/#?secret=OP8mVMuy0s#?secret=X3YAkVhtKm\" data-secret=\"X3YAkVhtKm\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem Posting im &#8222;Theologie Gespr\u00e4chsforum&#8220; \u00fcber Eckhart Tolle entspann sich eine Diskussion, in der ich mich erkl\u00e4ren musste. 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