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Abstract
- Die Perspektive „It from Qubit“ verbindet Physik und Philosophie, indem sie Information als konstitutives Element der Realität ansieht.
- Qubits repräsentieren Möglichkeiten, die erst durch Wechselwirkungen konkret werden und damit die Materie als Ergebnis von Auswahlprozessen definieren.
- Information ist sowohl strukturierte Möglichkeit als auch bedeutende Perspektive, die eng miteinander verbunden sind.
- Materie wird nicht mehr als Fundament betrachtet, sondern als Erscheinung, die aus relationaler Information entsteht.
- Der Evolutionäre Idealismus beschreibt die Realität als ein Netzwerk von Relationen, in dem sich das Ganze in den Teilen widerspiegelt.
1. Eine überraschende Wendung
Wer meine bisherigen Essays verfolgt hat, dem ist die Grundidee bereits vertraut: Wirklichkeit ist kein Gefüge aus Dingen, sondern eine Matrix von Relationen – ein Informationsraum, in dem sich stabile Muster als das zeigen, was wir „Materie“ nennen.
Genau an dieser Stelle setzt nun eine überraschende Entwicklung der modernen Physik an.
Unter dem Schlagwort „It from Qubit“ wird zunehmend die These diskutiert, dass alles Physische – Teilchen, Felder, sogar Raum und Zeit – aus Quanteninformation hervorgeht. Mit anderen Worten: Das, was wir philosophisch als Matrix beschrieben haben, taucht in der Physik in neuer Sprache wieder auf.
Was dort „Qubit“ heißt, bezeichnet keine Sache, sondern eine Möglichkeit – einen Zustand, der erst durch Wechselwirkung konkret wird. Die Welt erscheint damit nicht mehr als Ansammlung von Objekten, sondern als Netzwerk von Beziehungen und Auswahlprozessen.
Die Frage ist nun nicht mehr, ob diese Perspektive zu unserem bisherigen Modell passt.
Die Frage ist:
Was folgt daraus, wenn Physik und Philosophie hier tatsächlich dasselbe berühren – nur aus unterschiedlichen Perspektiven?
2. Was „It from Qubit“ tatsächlich behauptet
Bevor wir diesen Gedanken weiterverfolgen, lohnt sich ein kurzer Blick auf seine Herkunft. Die Idee „It from Qubit“ steht in einer Entwicklungslinie, die bereits mit dem Physiker John Wheeler begann. Er formulierte die provokante These „It from Bit“: dass physische Realität letztlich auf Information beruht.
„It from Qubit“ geht nun einen entscheidenden Schritt weiter. Es überträgt diesen Gedanken konsequent auf die Quantenebene: Nicht klassische Bits, sondern Qubits – also quantenmechanische Möglichkeiten – bilden die Grundlage der Wirklichkeit. Damit wird Information nicht nur als Beschreibung, sondern als konstitutives Element der Welt verstanden.
Zugleich verbindet dieser Ansatz zwei der größten Theorien der modernen Physik: Quantenmechanik und Gravitation. Über das sogenannte holografische Prinzip entsteht die Idee, dass die Struktur des Raumes selbst aus Informationsbeziehungen hervorgeht – dass Geometrie und Information letztlich zwei Seiten desselben Prozesses sind.
In diesem Sinne ist „It from Qubit“ keine isolierte Hypothese, sondern Teil eines größeren Paradigmenwechsels: weg von der Vorstellung einer materiellen Substanzwelt – hin zu einem Universum, das aus relationaler Information aufgebaut ist.
In der klassischen Vorstellung besteht die Welt aus kleinsten Bausteinen – Teilchen, die Eigenschaften besitzen und sich im Raum bewegen. Diese Vorstellung ist intuitiv überzeugend, weil sie unserer Alltagserfahrung entspricht: Dinge scheinen stabil, lokalisiert und unabhängig voneinander zu existieren.
Die Quantenphysik hat dieses Bild jedoch grundlegend erschüttert. Teilchen sind keine festen Objekte mehr, sondern Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Ihre Eigenschaften sind nicht eindeutig bestimmt, sondern entstehen erst in der Wechselwirkung mit anderen Systemen. Was vorher wie ein klar definierter Zustand erschien, entpuppt sich als ein Feld von Möglichkeiten.
Der Ansatz „It from Qubit“ geht noch einen entscheidenden Schritt weiter: Er sagt nicht nur, dass Teilchen sich seltsam verhalten. Er stellt die Existenz von Teilchen als fundamentale Realität überhaupt infrage.
Er sagt: Die fundamentale Wirklichkeit besteht nicht aus Teilchen. Sondern aus Qubits – elementaren Einheiten von Information. Ein Qubit ist keine „Sache“. Es ist keine kleine Kugel, kein Punkt im Raum, kein Objekt mit festen Eigenschaften. Es ist eine Möglichkeit – ein Zustand, der verschiedene Alternativen gleichzeitig enthält und zwischen ihnen oszilliert.
Man könnte sagen: Ein Qubit beschreibt nicht, was ist – sondern, was sein kann, keinen Zustand, sondern die Summe der Möglichkeiten.
Erst durch Wechselwirkung – durch das, was wir als Quantenkollaps bezeichnen – wird aus dieser Vielzahl von Möglichkeiten eine konkrete Wirklichkeit ausgewählt. Dieser Auswahlprozess ist nicht bloß ein technisches Detail, sondern der eigentliche Kern dessen, was wir als Realität erleben.
Damit verschiebt sich die Perspektive radikal: Nicht Materie ist grundlegend. Nicht Teilchen, nicht Felder, nicht Raum. Sondern die Struktur der Möglichkeiten, aus denen all dies hervorgeht – und die Prozesse, durch die diese Möglichkeiten zu Wirklichkeit werden.
Materie erscheint in dieser Sichtweise nicht mehr als Ausgangspunkt, sondern als Ergebnis: als stabilisierte, wiederholte Auswahl innerhalb eines tieferliegenden Möglichkeitsraums.
3. Wenn Information fundamental ist
An diesem Punkt scheint die Sache klar zu sein:
Die Welt ist Information.
Doch genau hier beginnt das eigentliche Problem. Denn was ist Information überhaupt? Um das zu klären, lohnt es sich, zunächst zwei Perspektiven zu unterscheiden, die oft stillschweigend vermischt werden: eine philosophische/hermeneutische und eine physikalische.
Philosophische Perspektive
Im Alltag und in den Geisteswissenschaften verstehen wir Information meist als etwas, das zwischen Subjekten übertragen wird.
Wenn jemand spricht, schreibt oder ein Zeichen setzt, dann wird Information weitergegeben. Sie hat dabei nicht nur eine Form, sondern eine Bedeutung. Ein Wort, ein Bild oder ein Symbol macht für den Empfänger einen Unterschied – es verändert sein Verständnis, seine Erwartungen, seine Entscheidungen.
In dieser Sicht steht die Semantik im Vordergrund: Information ist nicht bloß Struktur, sondern Bedeutung.
Gleichzeitig existiert Information immer in einer Form. Sie ist gebunden an Zeichen – an Daten, an Sprache, an ein Medium wie Papier, Schall oder digitale Speicherung. Ohne Träger gibt es keine Information. Doch dieser Träger allein ist nicht ausreichend. Ein Text auf Papier ist nur dann Information, wenn er gelesen werden kann. Ohne Interpretation bleibt er bloße Struktur.
Man kann diesen Zusammenhang auch als eine grundlegende Differenzierung beschreiben: Es gibt den Sender der Botschaft, den Botschafter (das Medium oder den Übertragungsweg), den Empfänger – und die Botschaft selbst. Erst im Zusammenspiel dieser vier Momente wird aus bloßer Struktur tatsächlich Information im vollen Sinne, nämlich etwas, das wirkt, verstanden wird und einen Unterschied macht.
Physikalische Perspektive
In der Physik wird Information zunächst ganz anders gefasst.
Die Informationstheorie von Shannon definiert Information quantitativ: als Maß für die Verringerung von Ungewissheit. Sie wird in Bit gemessen und ist eng mit dem Begriff der Entropie verknüpft.
In dieser Sicht geht es nicht um Bedeutung, sondern um Struktur und Wahrscheinlichkeit.
Ein physikalisches System „trägt“ Information insofern, als es bestimmte Zustände annehmen kann. Die Information eines Systems ist die Gesamtheit seiner möglichen und aktuellen Zustände – etwa die Position und Energie eines Teilchens.
In der Quantenphysik wird dieser Gedanke noch radikaler.
Information wird hier nicht nur als Beschreibung verstanden, sondern als fundamentale Größe. Sie kann – so die gängige Annahme – nicht einfach zerstört werden. Stattdessen transformiert sie sich.
Ihre elementare Form ist das Qubit: ein Zustand, der mehrere Möglichkeiten gleichzeitig enthält.
Zugleich gilt: In der physikalischen Perspektive fällt die Trennung von Botschaft und Träger zusammen. Die beschreibbaren Zustände selbst SIND die Information. Es gibt hier keinen separaten „Botschafter“ neben der „Botschaft“ – der Zustand des Systems ist die Information. Ebenso gibt es zunächst keinen unabhängigen Sender und Empfänger; diese Differenzierung entsteht erst auf höheren, interpretativen Ebenen. Auf fundamentaler Ebene ist Information nicht etwas, das übertragen wird – sie IST als Zuständlichkeit einfach da.
Der entscheidende Punkt
Beide Perspektiven sind für sich genommen konsistent – aber sie greifen nicht vollständig ineinander. Die physikalische Sicht beschreibt präzise, wie Information strukturiert ist. Die philosophische Sicht beschreibt, was Information bedeutet.
Was fehlt, ist die Verbindung zwischen beiden. Denn Information ist niemals einfach nur „da“. Information ist immer ein Unterschied, der einen Unterschied macht. Und ein Unterschied kann nur existieren, wenn es etwas gibt, für das dieser Unterschied relevant ist.
Mit anderen Worten: Information ist nicht nur Struktur. Sie ist immer auch Perspektive.
4. Der verborgene Schritt: Von Information zur Perspektive
Wenn wir sagen, dass ein System Information enthält, dann sagen wir implizit, dass es Zustände unterscheidet. Aber unterscheiden bedeutet mehr als nur physikalische Differenz.
Es bedeutet: Dass ein Zustand für dieses System anders ist als ein anderer – dass Unterschiede wirksam werden.
Der entscheidende Punkt ist nun: Auf fundamentaler Ebene liegt Information zunächst als Möglichkeit vor. Ein Qubit beschreibt nicht, was ist, sondern, was sein kann. Solange diese Möglichkeiten nicht festgelegt sind, existiert Information nur als offener Möglichkeitsraum.
Erst durch Interaktion – durch den Quantenkollaps – wird aus Möglichkeit Wirklichkeit. In diesem Moment geschieht mehr als nur eine Auswahl eines Zustands:
- Eine konkrete Alternative wird real.
- Viele andere mögliche Alternativen werden ausgeschlossen.
- Der Möglichkeitsraum beider beteiligten Systeme verändert sich irreversibel.
Damit entsteht zum ersten Mal ein Unterschied, der über das bloße „Sein“ von Information hinausgeht.
Die Information macht jetzt einen Unterschied – und zwar in doppelter Hinsicht:
- Für den Interaktionspartner: Beide Systeme sind nun in einem bestimmten Zustand füreinander festgelegt.
- Für die Zukunft: Die Menge der möglichen weiteren Zustände ist eingeschränkt – eine Geschichte beginnt.
Hier liegt der verborgene Schritt, der in vielen physikalischen Darstellungen unterschätzt wird. Denn erst an diesem Punkt wird Information wirksam. Und Wirksamkeit ist immer relational und systembezogen.
Damit taucht etwas auf, das in der rein äußeren Beschreibung nicht erscheint:
Eine Innenperspektive.
Diese Innenperspektive ist zunächst minimal. Sie ist kein Denken, kein Fühlen, kein Selbstbewusstsein. Aber sie ist auch nicht optional.
Sie ist die Innenseite genau dieses Übergangs:
Vom Möglichkeitsraum zur realisierten Wirklichkeit. Man kann diesen Punkt auch so formulieren:
Physikalisch beschrieben ist Information eine Struktur von Möglichkeiten. Im Kollaps wird sie zur realisierten Differenz.
Innenperspektivisch ist genau dieser Übergang das, was wir als „Bedeutsamkeit“ oder „Erleben“ im Keim verstehen können.
Diese minimale Form von Innenperspektive besteht darin, dass ein Zustand nicht mehr gleichgültig ist – weil er Konsequenzen hat.
Er verändert das System. Er verändert seine Beziehungen. Und er verändert die Zukunftsmöglichkeiten. Genau deshalb kann man sagen:
Die Innenperspektive entsteht nicht erst bei komplexen Systemen. Sie entsteht dort, wo Möglichkeiten selektiert werden und diese Selektion Konsequenzen trägt. Im Grenzfall elementarer Systeme ist diese Innenperspektive extrem reduziert. Sie besteht nicht aus Bildern, Gedanken oder Gefühlen, sondern aus der minimalen Tatsache, dass ein realisierter Zustand einen Unterschied macht.
Entscheidend ist dabei: Nach dem Kollaps trägt jeder der beiden Interaktionspartner den Zustand des anderen in sich. Die Wechselwirkung hinterlässt eine wechselseitige Einschreibung. Im eigenen Sein ist eine Spur – eine „Wahrnehmung“ im minimalen Sinn – des anderen mit enthalten. Physikalisch zeigt sich das als Korrelation oder Verschränkung, philosophisch als die Tatsache, dass kein Zustand mehr rein „für sich“ existiert.
Damit wird Innenperspektive noch präziser fassbar: Sie ist nicht nur die Innenseite der Selektion, sondern auch die Innenseite dieser wechselseitigen Einschreibung. Ein System ist, was es ist, indem es zugleich das Andere in sich trägt – als Einschränkung seiner Möglichkeiten und als Spur seiner Beziehung.
Damit wird auch klar, warum der Schritt von Information zu Perspektive kein spekulativer Zusatz ist, sondern eine logische Konsequenz:
Wenn Information zunächst Möglichkeit ist, und Wirklichkeit durch Selektion entsteht, und diese Selektion zukünftige Möglichkeiten verändert, dann impliziert Information notwendig eine Form von Innenbezug. Ohne diesen Innenbezug gäbe es nur Möglichkeiten – aber keine Realität, keine Geschichte, keine gerichtete Entwicklung.
Mit ihm beginnt das, was sich in komplexeren Systemen als Wahrnehmung, Erleben und schließlich Bewusstsein entfaltet.
5. Perspektiven-Dualismus als Konsequenz
Wenn Information fundamental ist und Information nur als Unterschied innerhalb einer Perspektive existiert, dann folgt daraus eine bemerkenswerte Konsequenz:
Jede aus der Möglichkeit heraus entstehende Wirklichkeit hat von Anfang an zwei Seiten:
Eine Außenseite:
Die messbare Struktur, die Physik beschreibt.
Und eine Innenseite:
Die Weise, wie diese Struktur „für sich selbst“ ist – und dabei das Sein dessen eingeschrieben mit sich trägt, dessen Interaktion aus Möglichkeit Wirklichkeit machte.
Diese beiden Seiten sind nicht getrennt. Sie sind zwei Perspektiven auf denselben Prozess. Was sich außen als Wechselwirkung zeigt, erscheint innen als Bedeutung. Was sich außen als Information darstellt, erscheint innen als Erfahrung. Damit wird der klassische Gegensatz von Materie und Geist neu gefasst:
Nicht als zwei Substanzen.
Sondern als zwei Perspektiven auf Information.
6. Warum das kein Materialismus mehr ist
Der Materialismus geht davon aus, dass Materie die Grundlage der Wirklichkeit ist und Bewusstsein daraus entsteht.
Doch wenn Materie selbst aus Information hervorgeht, verliert diese Position ihren Boden. Dann ist Materie nicht mehr das Fundament, sondern bereits ein abgeleitetes Phänomen. Gleichzeitig wäre es zu einfach, nun einfach zu sagen:
„Alles ist Geist.“
Denn auch das würde nur eine Seite absolut setzen. Der entscheidende Punkt ist:
Information ist weder materiell noch rein geistig.
Sie ist die gemeinsame Grundlage, aus der beide Perspektiven erst hervorgehen.
An dieser Stelle kann eine alte philosophische Metapher helfen, ohne dass wir sie wörtlich nehmen müssen. Im Hinduismus wird die zugrunde liegende Einheit der Wirklichkeit als Brahman beschrieben – eine allumfassende Realität, aus der alles hervorgeht. Das individuelle Bewusstsein wird als Atman verstanden, während die erscheinende Welt oft als Maya bezeichnet wird – nicht im Sinne von „Illusion“, sondern als Erscheinungsform.
Überträgt man diese Begriffe vorsichtig in unseren Kontext, dann könnte man sagen:
- Die Informationsmatrix entspricht strukturell dem, was dort als Brahman gedacht wird.
- Die Innenperspektive einzelner Holons erinnert an die Idee des Atman.
- Die materielle Welt entspricht der stabilisierten Erscheinungsebene – dem, was als Maya beschrieben wird.
Wichtig ist dabei: Diese Analogie ist keine Gleichsetzung und keine Rückkehr zu religiösen Dogmen. Sie zeigt lediglich, dass unterschiedliche Traditionen versucht haben, dieselbe Struktur zu beschreiben – eine Wirklichkeit, die sich zugleich als Einheit und als Vielfalt darstellt.
Gerade im Licht moderner Physik gewinnt diese alte Metapher eine neue Bedeutung: Sie kann als intuitives Bild für eine Realität dienen, die weder rein materiell noch rein geistig ist, sondern beide Perspektiven in sich vereint.
7. Anschluss an den Evolutionären Idealismus
Genau an diesem Punkt schließt meine Philosophie des Evolutionären Idealismus an:
Er beschreibt die Wirklichkeit nicht als Ansammlung von Dingen, sondern als ein Netzwerk von Relationen – als Informationsraum.
Wenn wir uns an den vorherigen Essay über Indras Netz erinnern, wird diese Idee anschaulich: Jede „Perle“ im Netz spiegelt alle anderen – nicht vollständig, sondern perspektivisch. Jede Perspektive enthält das Ganze in verzerrter, reduzierter Form.
Genau diese Struktur taucht nun in der Physik wieder auf.
Das holografische Prinzip besagt, dass Information über ein Volumen auf dessen Oberfläche (spiegelnde Kugel) kodiert sein kann. Anders formuliert: Das Ganze ist in jedem Teil enthalten – nicht als Kopie, sondern als relationale Struktur. Die perspektivische Spiegelung der Außenwelt ist das Wesen der Kugel selbst (ihre Innenwelt).
Indras Netz ist damit nicht nur eine spirituelle Metapher, sondern eine erstaunlich präzise Vorwegnahme dessen, was die Physik heute beschreibt.
Holons sind in diesem Modell stabile Integrationsknoten innerhalb dieses Netzes. Jedes Holon besitzt eine Innenperspektive, weil es Information nicht nur trägt, sondern integriert – indem es von Materie- und Energieflüssen durchdrungen wird und daraus seine Homöostase gewinnt, sodass sich in ihm die Geschichte der Außenwelt als eingeschriebene Struktur widerspiegelt.
Damit wird die physikalische Idee der Information mit der philosophischen Idee der Innenperspektive verbunden.
Wirklichkeit ist dann nicht einfach gegeben.
Sie entsteht.
Und zwar durch die fortlaufende Kokreation aller Holons auf allen Integrationsebenen.
Jede dieser Perspektiven ist zugleich Abgrenzung und Spiegel: Sie unterscheidet sich vom Ganzen – und enthält es zugleich in sich.
So wird die Welt zu einem dynamischen Gewebe von Perspektiven, in dem sich das Ganze in den Teilen erkennt – und die Teile erst durch ihre Beziehung zum Ganzen zu dem werden, was sie sind.
8. Der nächste Schritt
Wenn die Welt aus Information besteht und jede Realität aus der Auswahl von Möglichkeiten hervorgeht, dann stellt sich eine neue Frage:
Was bestimmt diese Auswahl? Warum wird eine Möglichkeit real – und nicht eine andere? Ist dieser Prozess rein kausal?
Oder gibt es eine tiefere Struktur, die diese Entscheidungen lenkt? (zum Beispiel David Bohms „Führungswelle“)
Genau hier beginnt der nächste Schritt, das Thema für meinen nächsten Artikel: Die Frage nach der Dynamik, die das Netz der Wirklichkeit nicht nur stabilisiert – sondern in eine Richtung führt.

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